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Fakten des Ausbaus auf Rheinhessen

Die Fakten für Rheinhessen zusammengefasst in einem kurzen Foliensatz.

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Medienberichte

Es gibt zahlreiche Fernseh- und Radiobeiträge zum Thema Fluglärm und dessen Hintergründe sowie dessen Auswirkungen. Hier ein paar sehenswerte Stücke:

Fluglärm in Rheinhessen - der Film (29:08 Min)

Wie der Lärm die Welt verpestet (60:00 Min)

Leben in der Lärmhölle (28:41 Min)

 

Der lange Weg zur neuen Landebahn (14:03 Min)

Weitere Beiträge unter StoppFluglaerm

2. Maßnahmenpaket von Bouffier verdient den Namen nicht

Nachdem die Maßnahmen der Taskforce Flugwegoptimierung (TFF) schon wenig Potential enthielten (siehe hier), ist nun auch das Maßnahmenpaket, das unter dem vielsagenden Titel "Allianz für mehr Lärmschutz 2012" von MP Bouffier vorgestellt wurde, eine reines Marketingelement mit wenig Potential für eine Lärmreduzierung.

Viele Maßnahmen stammen aus dem ersten Paket zum aktiven Schallschutz, das schon längst umgesetzt sein sollte. Es wurde sich nicht mal die Mühe gemacht, und die Folien, die noch auf dem alten Routensystem basieren, auf das neue zu übertragen (siehe DRoPs). Maßnahmen, die eigentlich für die Kernnacht vorgesehen waren, wurden mit der schönen Ergänzung "early Morning" zu neuem Leben erweckt.

Die Anhebungen von Anflügen wurden schon bei der Vorstellung der Ergebnisse der TFF relativiert, so dass letztendlich nicht überzeugend dargestellt werden kann, welche Entlastungen sich tatsächlich ergeben.

Die startenden Flugzeuge über die Südumfliegung werden erst gar nicht angegangen.

Einzig das Thema CDO (auch als CDA oder kontinuierlicher Sinkflug bekannt) hat Potential, den Lärm zu reduzieren.

Die Erweiterung des CASA Programmes scheint zwar hilfreich für die flughafennahen Regionen, hier werden aber Menschen durch den Ausbau dazu genötigt, Ihre Häuser zu verkaufen und sich entwurzeln zu lassen, oder in Schallschutzbunkern den Garten aus der Ferne zu genießen. Nicht wirklich ein Gewinn an Lebensqualität.

Die Ankündigung neben einer Präsentation finden Sie hier.

Keine Lärmentlastung durch neues Maßnahmenpaket
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1. Maßnahmenpaket "Aktiver Schallschutz" belastet die Region mehr

Hier eine kurze Darstellung der Maßnahmen inkl. Erläuterung (kursiv) und die Auswirkungen auf die VG Bodenheim bzw. das südliche Rheinhessen.

  • Vertikale Optimierung von Abflugverfahren
    Tempolimit und damit steilerer Start durch Umsetzung der Schubleistung in Höhengewinn.
    Diese Maßnahme wird nur auf den ersten 6 Nautischen Meilen (NM)angewendet, wir sind ca. 18 NM entfernt, es ändert sich also nichts am Lärmpegel
  • Umrüstung der Boeing-737-Flotte der Lufthansa
    Anbau kleiner Teile am Lufteinlass der Turbinen für bessere Luftströmung.
    Einige Flugzeuge werden dabei um 0,5 bis 1,5 Dezibel leiser, das hören wir bei teilweise bis zu 26 Dezibel Lärmsteigerung (z.B. Nordosten von Bodenheim) nicht wirklich, auch sind es nur wenige Maschinen aus dem Gesamtspektrum, das in Rheinhessen und Mainz überflogen wird. Gerade die lauten Frachtmaschinen (z.B. MD11 der Lufthansa Cargo) werden nicht umgerüstet oder ausgemustert.
  • Optimierung beim Betriebsrichtungswechsel je nach Rückenwind
    Flugzeuge dürfen zukünftig mit mehr Rückenwindanteil (7 Knoten, also ca. 11 km/h) starten bzw. landen. Dadurch sollen mehr Anflüge aus Osten und entsprechend Abflüge nach Westen möglich werden.
    Diese Maßnahme verschlimmert unsere Situation, da statt heute zu 75% später zu 85% in unsere Richtung gestartet wird. Da startende Flugzeuge mehr Krach machen, wird es bei uns noch lauter als geplant.
  • Einführung eines neuen Anflugverfahrens: Segmented RNAV (GPS) Approach
    Südliche Umfliegung von Mainz bei Landungen aus Westen, Einführung einer zweiten Landlinie von Oppenheim entlang des Rheins bis Rüsselsheim bei gleichzeitiger Auflösung der Transition (südlicher Gegenanflug über Nackenheim, Lörzweiler bis Bad Kreuznach).
    Diese Maßnahme wird Mainz entlasten, die Regionen südlich von Mainz aber deutlich stärker belasten, das ist Lärmverschiebung und nicht Lärmminderung und schönt nur den Index, der die Anzahl der belasteten Personen einschließt. Die Maßnahme soll erst mal nur nachts getestet werden, eine Einführung am Tag ist ungewiss.
  • Dedicated Runways Operations (bevorzugte Bahnnutzung, DROps)
    Gewisse Startrouten sollen zu gewissen Zeiten im Wechsel nicht beflogen werden um Lärmpausen zu schaffen, die Last wird dann auf die anderen Routen verlagert.
    Diese Maßnahme wird uns, speziell Lörzweiler, Mommenheim und Harxheim mehr Lärm in der Nacht bringen, da zusätzlich zu den großen Flugzeugen auch die kleinen bei uns vorbei fliegen sollen.
    Insgesamt sind für das südliche Rheinhessen keine Lärmpausen geplant, d.h. jede Lärmpause an anderer Stelle belastet uns zusätzlich.
  • Optimierung kontinuierlicher Sinkflug (Continous Descent Approach, CDA)
    Die Nutzung des heute zur Nachtzeit genutzen kontinuierlichen Sinkfluges bei Landungen, also dem Sinken der Flugzeuge mit minimaler Triebwerksleistung, soll verbessert werden.
    Die einzige Maßnahme, die tatsächlich eine Lärmminderung bei landenden Flugzeugen (zukünftig nur noch in 15% aller Wetterlagen der Fall) für uns bringen könnte. Diese Maßnahme soll aber weiterhin nur nachts geflogen werden, erst in einem zweiten Schritt muss geprüft werden, ob eine Ausweitung auch auf Tagesstunden in begrenztem Maße möglich ist.
  • Anhebung des Anfluggleitwinkels auf 3,2 Grad auf der zukünftigen NW-Bahn
    Flugzeuge sollen auf der neuen Landebahn mit 3,2 Grad statt bisher 3 Grad im Landeanflug sinken.
    Diese Maßnahme senkt die Belastung von Hessen, auch Mainz wird etwas davon profitieren. Ein Anhebung des Anflugwinkels für das heutige Parallelbahnensystem ist nicht vorgesehen. Die Maßnahme ist auch nur beim direkten Landanflug kurz vor dem Flughafen (ca. 18 Kilometer) wirksam, nicht beim Gegenanflug der heute über uns stattfindet.

Start- und Landeverbot

Start- und Landeverbot ist kein Nachtflugverbot
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Das Nachtflugverbot sieht vor, dass in der Zeit zwischen 23 und 5 Uhr keine Starts oder Landungen am Frankfurter Flughafen stattfinden dürfen.

Dieses Vorbot wurde schon dadurch aufgeweicht, dass begründete Ausnahmen zulässig sind (z.B. Calibration Flights oder wetterbedingten Verspätungen).

Derzeit zeigen die Analysen des Deutschen Fluglärmdienstes aber, dass massiv und nicht nur in Ausnahmefällen gegen das Verbot verstoßen wird. Unsere Grafik zeigt die aktuelle Situation, allein über 200 Verstöße konnten im Mai 2012 registriert werden und bisher in Summe weit über 1300. Es gab schon häufig Nächte mit über 25 Flügen zwischen 23 und 5 Uhr. Die zuständigen Ministerien verwehren detaillierte Aussagen zu den Gründen und verweisen auf nicht prüf- oder nachvollziehbare Aussagen im Internet.

Alle Nachtflüge sollten, unabhängig davon wo sie stattgefunden haben (eine direkte Betroffenheit ist nicht notwendig, da es sich um eine Ordnungswidrigkeit handelt) angezeigt werden. Lesen Sie mehr dazu hier.

 

Das Leipziger Urteil und seine Folgen

Das Leipziger Bundesverwaltungsgericht hat die Nachtflüge für unzulässig erklärt, auch in der Zeit von 22.00 - 23.00 Uhr und 05.00 bis 06.00 Uhr sollen Flüge begrenzt werden. Die ganze offizielle Pressemeldung des Gerichts finden Sie hier

Einschätzung der schriftlichen Urteilsbegründung des BVG Leipzig

Erfreulich ist, dass das Bundesverfassungsgericht den Anspruch der belasteten Menschen auf Nachtruhe bestätigt hat und auch in den Nacht-Randstunden von 22 bis 23 ein abschwellenden und in der Stunde von 5 bis 6 Uhr einen langsam anschwellenden Verkehr verlangt.

Bedauerlich ist, das das Gericht keine Vorgaben in dieser Beziehung gemacht hat. Möglicherweise geht es davon aus, dass die Zahl von durchschnittlich 133 Bewegungen in diesen beiden Stunden, von selber zu einer entsprechenden Organisation führt. Leider hat sich gezeigt, dass die letzten und ersten Minuten Nachtrandstunden besonders dicht beflogen werden.

Enttäuschend für mich ist, dass das Bundesverwaltungsgericht nicht beanstandest hat, dass vom Tatsachengericht in Kassel die von der Fraport gekauften Gutachten anerkannt und die Gegengutachten der Kläger abgelehnt hat. Das hätte zu einem völlig neuem Aufrollen der Tasachenfeststellung und damit zur Aufhebung der Planfeststellung führen müssen.

Zwei Dinge sind aber beruhigend. Dieses Urteil betrifft nur 10 von 260 Klagen. 250 Klagen sind noch nicht einmal vor dem Tatsachengericht in Kassel verhandelt worden, darunter die Klagen der Stadt Mainz und einiger Mainzer Bürger; zum Anderen, dass auf Grund dieser schriftlichen Urteilsbegründung von den Klägern jetzt geprüft werden kann, ob der Rechtsweg weiter beschritten werden soll.

Details zum Urteil finden Sie hier.



Fluglärmvermeidung und -reduzierung haben höchste Priorität

Das Gerichtsurteil für ein absolutes Nachtflugverbot des hessischen Landesgerichts setzt große, wichtige Signale für den Kampf gegen den Fluglärm. Es ist schon verwunderlich, wie leicht Lufthansa Cargo die Nachtflüge zum größten Teil in Tagflüge umwandeln konnte. Noch verwunderlicher ist, dass Sie darüber jammern, obwohl das Nachtflugverbot immer Bedingung für den Ausbau war. Es kann also keine kurzfristige Überraschung sein, das ist wieder nur eine Taktik der Luftverkehrslobby Richtung Politik.

Weiterhin zeichnet sich der Flughafen Frankfurt immer noch aus durch

  • eines der schlechtesten Landeverfahren weltweit mit dem höchsten Kerosinverbrauch laut vielen Piloten
  • sehr flachen und niedrigen Flug bei Starts Richtung Nordwest ab dem Rhein
  • 55% Umsteige und Umladeverkehr ohne signifikanten wirtschaftlichen Effekt (außer bei FRAPORT !)
  • Wattwürmer aus Shanghai zum Angeln in Italien und Griechenland landen in Frankfurt zwischen


Das sind nur einige wenige Punkte, die klar machen, dass der Betrieb am Frankfurter Flughafen weit weg davon ist, sinnvoll und "verträglich" mit dem Umfeld zu sein.

Anstatt diese Aspekte mit sinnvollen Lösungen zu begegnen, gehen Deutsche Flugsicherung und Fraport den einfachen Weg und lassen immer mehr Flugzeuge (auch mehr Umlader- und Umsteiger) immer tiefer und lauter fliegen.

Dies ist der falsche Weg! Die Flugzeuge müssen höher, die Umlader- und Umsteiger gar nicht hierher fliegen.

Ein neues Luftraumkonzept und ein Flughafenkonzept, dass nicht alle Flüge nach Frankfurt leitet, könnte dieses leisten. Die Umsetzung kostet aber Mühe und Geld. Bei den Milliardengewinnen der Fraport sollte das aber doch machbar sein.

Mehrbelastung durch den Ausbau

Allein der Ausbau mit der geplanten Erweiterung von heute 450.000 auf 701.000 Flugbewegung pro Jahr bringt eine enorme zusätzliche Lärmbelastung. Damalige Aussagen, dass mit der Startbahn West maximal 380.000 Flugbewegungen, gegenüber den heutigen tatsächlichen 450.000 pro Jahr, möglich seien, zeigen wie unkonkret und beliebig solche Planwerte sind.

Die Sinnhaftigkeit des Ausbaus erschließt sich nicht, wenn man berücksichtigt,

  • dass der Umsteigeverkehr schon heute einen Anteil von 55 % hat und ausschließlich der Fraport zu Gute kommt und
  • bei sinkenden Angestelltenzahlen die allgemeine Wirtschaft nicht angekurbelt wird.

Nach den Zahlen des Umweltbundesamtes, die für unsere Region erheblich höher sein dürften, sind schon heute im Bundesdurchschnitt 44,7 % der Bundesdeutschen durch zunehmenden Fluglärm belästigt. Dies wird durch die zuständigen Bundesbehörden gebilligt, wenngleich kein erkennbarer Mehrwert durch den Flughafenausbau zu konstatieren ist.

Durch die im Zusammenhang mit dem Ausbau inzwischen beschlossene Südumfliegung wird Rheinhessen deutlich überproportional mit Fluglärm und sonstigen Emissionen belastet. Hierdurch ergibt sich eine deutliche Gesundheitsgefährdung für die Menschen sowie ein noch nicht zu kalkulierender Wertverlust der Immobilien im Belastungsraum.

Flughafenausbau ist nicht raumverträglich und bringt durch zu viele Flugbewegungen zu viel Fluglärm in Rheinhessen und Mainz
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Es geht auch leiser

Viele internationale Großflughäfen haben deutlich bessere Konzepte, um die Bevölkerung vor Lärm zu schützen. Heathrow setzt z.B. ganztags das lärmärmere CDA Verfahren bei Landungen ein. Der JFK Approach am New Yorker John F. Kennedy Flughafen sieht einen Anflug vor, der angewendet bei uns selbst Raunheim von landenden Flugzeugen frei halten würde.

Sicherlich lässt sich nicht jeder Flughafen mit Frankfurt vergleichen, aber viele Experten bestätigen, dass auch in Frankfurt viel lärmärmer geflogen werden könnte, wenn die Bereitschaft auf Seiten der Deutschen Flugsicherung und der Fraport sowie der Wille der Politik auf Landes und Bundesebene vorhanden wäre, nicht die finanziellen Aspekte, sondern den Menschen in den Vordergrund zu stellen.

Sehen Sie Beispiele anderer Flughäfen, wie es auch höher und leiser geht: